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Kennen Sie schon Schneeglöckchenfieber?
Galanthophile erkennt man daran, dass sie zur Schneeglöckchensaison im Januar (oder bei den herbstblühenden Sorten schon im Oktober) bis in den Februar hinein Wälder, Friedhöfe oder Parks durchstreifen. Jedes Schneeglöckchen, lateinisch Galanthus, wird aufmerksam betrachtet. Dabei werden die äußeren Blütenblätter mit dem Daumen gekonnt gegen die inneren geschoben, um die innere Zeichnung anzusehen - immer auf der Suche nach dem Besonderen. Jeder Neuling würde die Blüte mit der einen Hand festhalten und mit der anderen die Blütenblätter hochziehen. Tja, daran erkennt man die echten Sammler - und die wollen tunlichst unter sich bleiben. Diese Manie kommt natürlich aus England. Dort werden die bekanntesten Sammler zu einem Schneeglöckchen-Lunch eingeladen und auch nur, wenn sie wirklich interessante Sorten zum Tausch anzubieten haben. Früher trugen Galanthussorten nur englische Namen und diese besonderen Kultivare konnten auch nur in England - wenn überhaupt - gekauft werden. Dort sind 150,00 $ für ein besondere Rarität und für eine Zwiebel! keine Seltenheit. Diese Krankheit hat auch schon den Kontinent angesteckt. In den Niederlanden und Belgien gibt es seit Jahren Galanthustreffen, und das schon recht bekannte Galanthus nivalis ’Viridapice’ wurde bei der Blumenzwiebelfirma Van Tubergen entdeckt und vermehrt. Aber auch in Deutschland gibt es mittlerweile sehr interessante Sammlungen und Auslesen und 2006 fand demzufolge das erste Schneeglöckchentreffen statt. „Normale“ Gartenbesitzer zieht es um diese Zeit wohl kaum nach draußen. Wie losgelassen strömten Ende Februar alle deutschen Sammler und Noch-Nicht-Infizierte zu Günter Waldorf nach Nettetal-Hinsbeck. Auch ich, als einzige Infizierte aus Bad Fallingbostel war dabei. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und weitere sollten folgen. 2007 hat es so gegossen, dass alle parkenden Autos von einem Acker geschleppt werden mussten und 2008 gab es orkanartige Böen und die Zelte flogen weg. Das stört die Sammler wenig - sie kommen auch bei Wind und Wetter. Im letzten Jahr erst fand die erste Verkaufsveranstaltung im Norden bei der Baumschule Lorenz von Ehren statt - man darf also weiterhin gespannt sein. Was ist denn nun dran, an diesen besonderen kleinen Dingern ? Die sehen doch alle gleich aus! Erstmal variieren die Blühzeiten sehr stark, so gibt es verschiedene Sorten von Herbst-Schneeglöckchen, die schon Ende September blühen. Ferner unterscheiden sie sich nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch unterschiedliche Blätter. Mal sind sie grasartig schmal, mal überdimensional breit. Es gibt grünliche und bläuliche Blätter und einige davon haben einen Mittelstreifen. Die Galanthusarten unterscheidet man nach der Blattstellung im Austrieb. Grob gesehen gibt es drei unterschiedliche Typen. Applanat - wie bei Galanthus nivalis - (Blätter sind im Austrieb parallel). Plicat - z.B. Galanthus plicatus - (Blätter liegen beidseitig der Knospe gegeneinander mit deutlich nach außen gerollten Blatträndern). Volut und Supervolut - wie z.B. bei Galanthus elwesii (ein Blatt umhüllt im Austrieb das andere Blatt). Aber die Blüten erst! Einige Sorten sind ganz weiß, wie z.B. die Sorten BOHEMIA WHITE, WHITE GEM oder SNOW WHITE`S GNOM. Grüne Tupfer auf den äußeren Blütenblättern hat der Typ SCHARLOCKII. Aber mit ganz grünem Röckchen? So sieht die Sorte MERLIN aus. Oder innen befindet sich an Stelle des kleinen grünen Hufeisens ein großes X. Das entspricht der Sorte ROBIN HOOD. Die meisten Schneeglöckchen haben drei äußere Blütenblätter. Es gibt aber auch Besonderheiten mit vier oder fünf. Die Blüten sind grün gefüllt, gelb gefüllt oder einfach mit besonders langen Kronblättern, manche haben statt einem normalen grünen Fruchtknoten einen gelben wie z.B. BLONDE INGE oder SPINDLESTONE SURPRISE und andere wiederum sehen dem einheimischen Schneeglöckchen in keinster Weise mehr ähnlich. Mittlerweile gibt es mehr als 700 Arten und Sorten und nur wenigen Sammlern gelingt es noch, die absolut neue Farbe oder Form von Schneeglöckchen zu züchten oder zu entdecken. Aber da sich Galanthus hybridisieren, also der Samen nicht sortenecht ausfällt - wer weiß, was in Zukunft noch möglich ist... Wenn Sie nun wirklich diesen Artikel bis zu Ende gelesen haben, könnten Sie sich schon leicht infiziert haben. Gucken Sie also lieber nicht auf die einschlägigen deutschen Galanthusseiten wie www.galanthus-online.de oder www.garten-in-den-wiesen.de. Ein kleiner Teil der abgebildeten Sorten steht auch im Sammlergarten Eichler in Bad Fallingbostel. Es ist aber angenehm zu wissen, dass wir europäischen Galanthophile eine im An- und Zusammenwachsen begriffene Fangemeinde sind. von Marita Eichler |